Juli – Sommerdreieck, Herkules und der Blick ins Zentrum der Milchstraße
Das Sommerdreieck steigt höher, Arktur und Spica verabschieden langsam den Frühlingshimmel. Im Süden stehen Herkules, die Nördliche Krone und tief am Horizont Antares im Skorpion.
Im Juli hat der Sommerhimmel endgültig die Abendstunden übernommen. Das große Sommerdreieck aus Wega, Deneb und Altair steht nun auffällig am Himmel, während die klassischen Frühlingssternbilder weiter nach Westen gerückt sind. In südlicher Richtung zeigen sich mit Skorpion und Schütze besonders interessante Regionen der Milchstraße.
Gleichzeitig sind im Westen noch Reste des Frühlingshimmels zu sehen. Arktur im Bärenhüter und Spica in der Jungfrau stehen noch gut sichtbar am Himmel. Der dritte Stern des Frühlingsdreiecks, Regulus im Löwen, sinkt dagegen bereits tief nach Westen oder ist schon untergegangen. Der Juni ist damit ein schöner Übergangsmonat: Im Westen verabschiedet sich der Frühling, im Osten beginnt der Sommer.
Wichtig für die Beobachtung: Auch im Juli wird es noch spät dunkel, doch die Nächte werden langsam wieder länger. Für helle Sterne, Sternbilder, Kugelsternhaufen und erste Streifzüge durch die Milchstraße reicht die Dunkelheit gut aus..
Orientierung am Julihimmel
Der beste Einstieg ist der Blick nach Osten. Dort fällt die helle Wega in der Leier auf. Unterhalb und weiter nordöstlich steht Deneb im Schwan, während Altair im Adler später tiefer im Osten bis Südosten erscheint. Zusammen bilden diese drei Sterne das Sommerdreieck.
Im Süden steht der ausgedehnte, aber nicht besonders auffällige Herkules. Er besteht überwiegend aus lichtschwächeren Sternen und ist am aufgehellten Himmel nicht ganz leicht zu erkennen. Zwischen Bärenhüter und Herkules findet man außerdem die kleine, aber schöne Nördliche Krone.
Tief im Süden bis Südosten erscheinen im Laufe der Nacht der Skorpion und der Schütze. Dort liegt die Richtung zum Zentrum unserer Milchstraße. In Deutschland stehen diese Sternbilder allerdings sehr tief. Für ihre Beobachtung braucht man einen möglichst freien Südhorizont.
Großer Wagen, Kleiner Wagen und Drache
Der Große Wagen ist im Juni noch gut im Westen bis Nordwesten zu finden. Er sinkt im Laufe der Nacht langsam tiefer. Mit seiner Hilfe kann man weiterhin den Polarstern finden: Verlängert man die hintere Kante des Wagenkastens etwa fünfmal, gelangt man zum Polarstern.
Der Polarstern sitzt am Ende der Deichsel des Kleinen Wagens. Dieser ist deutlich schwieriger zu erkennen als der Große Wagen, weil seine Sterne schwächer sind. Zwischen Großem und Kleinem Wagen schlängelt sich das ausgedehnte Sternbild Drache.
Für Führungen:
Sehr praktisch, um Himmelsrichtungen zu erklären. Der Polarstern markiert zuverlässig die Nordrichtung.
Arktur und Spica – Abschied vom Frühlingshimmel
Im Westen sind im Juni noch zwei helle Sterne des Frühlingshimmels zu sehen: Arktur im Bärenhüter und Spica in der Jungfrau. Arktur leuchtet auffällig orangegelb, Spica dagegen eher bläulich.
Zusammen mit Regulus im Löwen bilden sie das sogenannte Frühlingsdreieck. Im Juni ist dieses Dreieck aber nicht mehr vollständig gut sichtbar, weil Regulus bereits tief im Westen steht oder schon untergegangen ist. Dadurch erkennt man schön, wie sich der Sternhimmel im Laufe der Jahreszeiten verändert.
Für Führungen:
Sehr gut geeignet, um die scheinbare jahreszeitliche Bewegung des Sternhimmels zu erklären.
Das Sommerdreieck – der Beginn des Sommerhimmels
Das Sommerdreieck ist kein offizielles Sternbild, sondern eine auffällige Sternfigur. Es besteht aus den drei hellen Sternen Wega, Deneb und Altair. Im Juni steht es abends noch nicht so hoch wie im August, ist aber bereits sehr gut zu erkennen.
Für die Orientierung am Himmel ist das Sommerdreieck besonders hilfreich. Wer diese drei Sterne gefunden hat, kann sich leicht zu mehreren Sommersternbildern weiterhangeln: zur Leier, zum Schwan und zum Adler. Zwischen ihnen verläuft später im Sommer das helle Band der Milchstraße.
Für Führungen:
Sehr guter Einstieg, um zu erklären, dass Sternbilder und auffällige Sternfiguren nicht dasselbe sind. Das Sommerdreieck ist eine Orientierungshilfe, aber kein eigenes Sternbild.
Wega in der Leier
Wega ist einer der hellsten Sterne des Sommerhimmels. Im Juni steht sie abends bereits hoch im Osten. Sie gehört zum kleinen Sternbild Leier, das neben Wega aus einer kleinen rautenförmigen Sternfigur besteht.
Wega erscheint bläulich-weiß und ist ein guter Bezugspunkt für die Orientierung. In ihrer Nähe befinden sich mehrere interessante Objekte, darunter der berühmte Ringnebel M57. Für das bloße Auge ist aber vor allem die helle Wega selbst der auffällige Ankerpunkt.
Für Führungen:
Wega eignet sich gut, um über Sternfarben und Helligkeit zu sprechen. Sie wirkt deutlich kühler und weiß-bläulicher als etwa Arktur oder Antares.
Die Nördliche Krone
Zwischen Bärenhüter und Herkules liegt die Nördliche Krone. Sie ist ein kleines, aber sehr schönes Sternbild. Ihre Sterne bilden einen auffälligen Halbkreis. Der hellste Stern heißt Gemma oder Alphecca und markiert gewissermaßen den Edelstein in der Krone.
Die Nördliche Krone ist besonders schön für das bloße Auge. Man braucht dafür kein Fernglas, sondern eher einen dunklen Himmel und etwas Geduld. Hat man den Halbkreis einmal erkannt, findet man ihn später sehr leicht wieder.
Für Führungen:
Ein gutes Objekt, weil die Form wirklich gut zum Namen passt. Besucher können die „Krone“ meist selbst erkennen.
Herkules und der Kugelsternhaufen M13
Der Herkules steht im Juni hoch im Süden. Als Sternbild ist er nicht sehr auffällig, denn helle Sterne erster oder zweiter Größenklasse fehlen. Trotzdem lohnt sich die Suche, denn im Herkules befindet sich einer der schönsten Kugelsternhaufen des Nordhimmels: M13.
Mit bloßem Auge ist M13 nur unter sehr dunklem Himmel zu erahnen. Im Fernglas erscheint er als kleines, rundes, nebliges Fleckchen. In größeren Teleskopen lassen sich am Rand bereits einzelne Sterne erkennen. M13 ist etwa 23.000 Lichtjahre entfernt und besteht aus sehr vielen alten Sternen.
Kugelsternhaufen gehören nicht zur dünnen Scheibe der Milchstraße, sondern befinden sich im Halo unserer Galaxis. Sie sind sehr alte Sternsysteme und eignen sich hervorragend, um über den Aufbau der Milchstraße zu sprechen.
Für Führungen:
M13 ist eines der besten Objekte, um den Unterschied zwischen einem einzelnen Stern, einem offenen Sternhaufen und einem Kugelsternhaufen zu erklären.
M92 – der zweite Kugelsternhaufen im Herkules
Neben M13 enthält der Herkules noch einen weiteren Kugelsternhaufen: M92. Er ist weniger bekannt als M13, aber ebenfalls ein lohnendes Objekt. Im Fernglas ist er schwieriger zu erkennen und erscheint kleiner und unauffälliger.
M92 liegt noch etwas weiter entfernt als M13. Wer M13 bereits gefunden hat und unter einem dunklen Himmel beobachtet, kann sich anschließend an M92 versuchen.
Für Führungen:
Eher ein Zusatzobjekt für fortgeschrittene Beobachter oder für Abende mit etwas mehr Zeit.
Antares und der Skorpion
Tief im Süden steht im Juni der auffällige rote Stern Antares im Skorpion. In Deutschland erscheint der Skorpion nur sehr niedrig über dem Horizont. Deshalb braucht man für Antares und die Umgebung einen freien Blick nach Süden.
Antares ist ein rötlicher Überriesenstern. Sein Name bedeutet sinngemäß „Gegenmars“ oder „marsähnlicher Stern“, weil seine rötliche Farbe an den Planeten Mars erinnert. Gerade dieser Farbton macht ihn am Himmel besonders auffällig.
In südlicheren Ländern ist der Skorpion eines der eindrucksvollsten Sternbilder. Bei uns sieht man dagegen meist nur den oberen Teil. Trotzdem lohnt sich der Blick, weil Antares einer der markantesten Sterne des Sommerhimmels ist.
Für Führungen:
Sehr gut geeignet, um Sternfarben zu vergleichen: Wega bläulich-weiß, Arktur orangegelb, Antares rötlich.
Der Schütze und die Richtung zum Zentrum der Milchstraße
Noch tiefer im Süden steht der Schütze. In Richtung dieses Sternbildes liegt das Zentrum unserer Milchstraße. Dort befinden sich zahlreiche Sternhaufen und Nebel. Für Ferngläser ist diese Region sehr interessant, allerdings steht sie von Deutschland aus nur niedrig über dem Horizont.
Bei klarem Himmel, dunklem Standort und freiem Südblick lohnt es sich, mit dem Fernglas langsam durch diese Region zu wandern. Man blickt dort in eine besonders sternreiche Richtung unserer Galaxis.
Für Führungen:
Guter Anlass, um zu erklären, dass die Milchstraße kein gleichmäßiges Band ist. In Richtung Schütze blicken wir zum Zentrum unserer Galaxis.
Interaktive Himmelskarte
Die Position der Objekte verändert sich je nach Datum, Uhrzeit und Beobachtungsort. Für eine aktuelle Ansicht des Himmels empfehle ich die interaktive Karte von Stellarium Web. Dort lassen sich Standort, Uhrzeit und Blickrichtung individuell einstellen.
Tipp: Aktivieren Sie unten die Konstellationen (Constellations) und stellen Sie, falls nicht automatisch geschehen, Datum und Uhrzeit ein. Sie können die Karte und damit Ihre Blickrichtung drehen.
Beobachtungsroute für eine Himmelsführung im Juni
Für eine Himmelsführung im Juni bietet sich folgende Reihenfolge an:
Zuerst sollte man mit dem Großen Wagen beginnen und damit den Polarstern suchen. So sind die Himmelsrichtungen geklärt.
Danach lohnt sich der Blick nach Westen zu Arktur und Spica, um den ausklingenden Frühlingshimmel zu zeigen.
Anschließend wandert der Blick nach Osten zum Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Altair. Damit beginnt der Sommerhimmel. Bei Wega kann man gut über Sternfarben und Sternhelligkeiten sprechen.
Danach bietet sich die Nördliche Krone als kleines, leicht erklärbares Sternbild an.
Im Süden folgt der Herkules mit dem Kugelsternhaufen M13 als wichtigstem Fernglasobjekt des Monats.
Wenn der Südhorizont frei ist, kann man zum Abschluss noch Antares im Skorpion und die Richtung zum Schützen zeigen.
| Objekt / Bereich | Sternbild | Instrument | Schwierigkeit | Kernaussage |
|---|---|---|---|---|
| Großer Wagen | Großer Bär | Auge | sehr leicht | Orientierung und Polarstern finden |
| Kleiner Wagen / Polarstern | Kleiner Bär | Auge | mittel | Nordrichtung bestimmen |
| Arktur | Bärenhüter | Auge | leicht | heller Stern des Frühlingshimmels |
| Spica | Jungfrau | Auge | leicht | Frühlingshimmel verabschiedet sich |
| Sommerdreieck | Leier, Schwan, Adler | Auge | leicht | Beginn des Sommerhimmels |
| Wega | Leier | Auge | leicht | heller bläulich-weißer Stern |
| Nördliche Krone | Corona Borealis | Auge | leicht bis mittel | auffälliger Halbkreis von Sternen |
| M13 | Herkules | Fernglas/Teleskop | mittel | Kugelsternhaufen im Halo der Milchstraße |
| M92 | Herkules | Fernglas/Teleskop | schwieriger | zweiter Kugelsternhaufen im Herkules |
| Antares | Skorpion | Auge | mittel | roter Überriesenstern tief im Süden |
| Schütze | Sagittarius | Auge/Fernglas | mittel | Richtung zum Zentrum der Milchstraße |
